Warum wurde im Alten Ägypten überhaupt mumifiziert?

Waren es Glaubens- und Jenseitsvorstellungen oder auch geographisch-klimatische Bedingungen, auf denen das Phänomen der Mumifizierung basiert?

Ein Schlüsselerlebnis könnte in der prädynastischen Zeit passiert sein. In dieser Zeit vergrub man die Toten einfach im Wüstensand. Die Trockenheit Ägyptens und die daraus entstandene Hitze des Sandes entzogen dem Körper alle Flüssigkeiten. Den Verwesungsbakterien fehlte Nahrung und so blieben die Organe, Sehnen und das Bindegewebe erhalten. Selbst die Haut, welche zu einer harten Membran wurde, die Nägel und die Haare konnten durch die Trockenheit konserviert werden. Die Toten wurden auf natürliche Weise mumifiziert. Man fand die gut erhaltenen Körper und war der festen Überzeugung, dass man nur durch eine komplette Erhaltung des Körpers nach dem Tode, das Überleben des Geistes und der „Seele“ sichern kann.

Mumifizierung

Ägyptische Mumie: Quelle de.wikipedia.org - Gérard Ducher

So begannen die alten Ägypter zur späterer Zeit, die Verstorbenen in aufwändigen Gräbern zu bestatten. Sie standen nun aber vor dem Problem, wie man auch ohne Wüstensand den Körper vor dem Zerfall schützen könnte. In den ersten Versuchen der Mumifizierung wurden lediglich viele Schichten eines festen Verbandes um die Leiche herumgewickelt – so exemplarisch bei der Leiche des Königs Djer, eines der ersten Könige der dynastischen Ära.  So der Anfang der Mumifizierung.

Vom Diesseits ins Jenseits

Die meisten Ägypter waren Bauern und führten ein einfaches und schlichtes Leben. Sie waren im Besitz kleiner Felder entlang des Nils. Hier bauten die alten Ägypter 8-9 Monate im Jahr Weizen, Früchte und Gemüse an. Da sie sich selbst versorgen mussten, züchteten sie Ziegen, Schafe und Rinder und legten Vorräte für die Zeit der jährlichen Überschwemmungen an.

Die Eheleute lebten in der Regel monogam. Polygamie ist bisher nur mit Sicherheit im Königshaus und bei einigen wenigen hohen Beamten nachgewiesen. Kinderreichtum war sehr willkommen, da von einer hohen Kindersterblichkeit auszugehen war.  Aufgrund einfacher und schwieriger Lebensverhältnisse war die allgemeine Lebenserwartung nicht sonderlich hoch.

Die guten Götter auf ihrer Seite

Kanopenkruege

Kanopenkrüge aus dem Grab des Iti 19. Dynastie, um 1200 v. Chr. Kalkstein, Ägyptisches Museum Berlin - Quelle: de.wikipedia.org

Die Ägypter waren stets der Meinung, die guten Götter auf ihrer Seite zu haben. Man war auf der Hut vor Betrügern und Spukgeistern. Spukgeister waren unglückliche Seelen, deren Gräber verwüstet oder zerstört worden waren. Es heißt, ein Pharao ließ einmal eine Grabstätte reparieren, nachdem ihm im Traum ein Spukgeist von seinem Leid erzählte, damit der Geist ins Totenreich zurückkehren konnte.

Die Mumifizierung wurde von Einbalsamierern in Häusern außerhalb der Städten, meistens in der Nähe der Totenstädte durchgeführt.

Zuerst entfernten die Einbalsamierer das Gehirn des Verstorbenen. Da der Kopf auch mit Gehirnmasse gut erhalten blieb, holten die Einbalsamierer das Gehirn nicht immer heraus. Aber nur in wenigen Schädeln fand sich eine getrocknete, verschrumpelte Masse. Je nach Status und Reichtum des Verstorbenen entfernten die Einbalsamierer die inneren Organe oder ließen diese im Körper zurück. Die entnommenen Organen wurden gereinigt und anschließend entwässert, um sie in wohlriechenden Harzen getränkt und einzeln mit Leinentüchern umwickelt, in ein Gefäß zu legen.

Beim nächsten Schritt der Mumifizierung überdeckte man den nun hohlen Körper mit einem Mineraliengemisch aus natürlich vorkommendem Natronsalz, sowie auch Alabaster und Sand. Diese Stoffe entzogen dem Körper alle Flüssigkeit und verhinderten somit seine Verwesung. Wenn die Organe noch im Körper verblieben waren, wurde der Unterkörper mit einem mehreren Kilogramm schweren Gemisch aus Teeren, Harzen und Wachs bedeckt.

Nach ungefähr 40 Tagen war der Körper komplett ausgetrocknet. Nach dieser Zeitspanne entfernten die Einbalsamierer das Natrongemisch, wuschen den Körper und befreiten ihn somit von unliebsamen Tierchen. Da die Haut und das Gewebe durch den Wasserentzug spröde geworden war, legte man den Leichnam in ein Balsambad. Je nach Konsistenz veränderte sich dadurch die Farbe der Haut. Den Verstorbenen legte man nun auf eine Holzbahre, wo der überflüssige Balsam abtropfen konnte. Bis in die römische Zeit fanden sich in den meisten Mumien Harze und Teere aus Nadelbäumen, Bienenwachs und Bitumen sowie aromatisierende Öle aus Pflanzen. Im Mittleren und Neuen Reich nutzten die Einbalsamierer neben verschiedenen Harzen auch unterschiedliche Gummiarten (=Pflanzensäfte). Die von den Eingeweiden entleerte Körper füllte man nun mit Leinen oder Sägespänen aus. Dadurch versuchte man, den vom Wasserentzug eingefallenen Körper wieder natürlicher aussehen zu lassen.

Der Körper wurde im letzten Schritt mit Leinenbandagen umwickelt. Dabei umwickelten die Einbalsamierer erst die einzelnen Finger und Zehen, dann Hände und Arme, Füße und Beine und schließlich der Rest des Körpers. Zwischen die Bandagen legten die Einbalsamierer magische Amulette zum Schutz des Verstorbenen. Auf den Kopf betteten sie eine Mumienmaske mit idealisierten Zügen – also mit einem jugendlichen und schönen Antlitz.

70 Tage lang dauerte somit der Vorgang der Mumifizierung.